Konzerte: 50° Konzertsaison 2009/10


31.10.2009 - BOZEN, Stadttheater, 20.30 Uhr
02.11.2009 - BOLOGNA - Teatro Manzoni, 20.00 Uhr


Claudio Abbado, Dirigent
Isabelle Faust, Violine
Haydn-Orchester von Bozen und Trient
Orchestra Mozart

Alban Berg
Konzert für Violine und Orchester “Dem Andenken eines Engels”

Anton Bruckner
Symphonie Nr. 7 in E-Dur

AUSSER ABONNEMENT





Orchestra Mozart

Das Mozart-Orchester erwächst aus einer Idee von Carlo Maria Badini, die dank der maßgeblichen Unterstützung seitens der Stiftung der Cassa di Risparmio in Bologna unter ihrem Präsidenten Fabio Roversi-Monaco umgesetzt werden konnte. Bei der Orchestra Mozart handelt es sich um ein besonderes Projekt der Accademia Filarmonica in Bologna, jener ehrwürdigen musikalischen Institution, die sich seit dem 17. Jahrhundert besonders der Aus- und Weiterbildung begabter junger Musiker widmet. Selbst der vierzehnjährige Wolfgang Amadeus Mozart konnte bei seinem Aufenthalt in Bologna von Padre Martini noch einiges lernen.
Claudio Abbado, dem die künstlerische Leitung des neuen Orchesters anvertraut worden ist, hat seine Physiognomie bestimmt, indem er 2004 einige international gefragte Solisten (Alessio Allegrini, Enrico Bronzi, Mario Brunello, Alessandro Carbonare, Giuliano Carmignola, Daniel Gaede, Andrea Oliva, Alois Posch, Danusha Waskiewicz, Jacques Zoon) eingeladen hat, abwechselnd als Konzertmeister und Stimmführer bzw. als Dozenten der jungen Musiker, aus denen das Orchester besteht, zu wirken. Es sind dies circa vierzig Instrumentalisten im Alter zwischen achtzehn und sechsundzwanzig Jahren, von denen einundzwanzig (von Claire Gibault durch Probespiele in Bologna, Rom und Bozen ausgewählte Italiener) 2005 ein Stipendium der Europäischen Gemeinschaft und der Region Emilia-Romagna erhalten haben. Zusammen mit ihnen musizieren etwa fünfzehn Musiker aus anderen europäischen Staaten (Deutschland, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Rußland, Spanien und Ungarn).
Das Mozart-Orchester widmet sich nicht nur dem symphonischen Repertoire, sondern sieht seine Aufgabe auch besonders in der Pflege der Kammermusik, vom Trio bis zum Oktett. In Bologna arbeitet die Orchestra Mozart mit dem Teatro Comunale, Bologna Festival, Musica Insieme und der Provinzialverwaltung zusammen; Sonderkonzerte finden in Schulen, Konservatorien und anderen kulturellen bzw. sozialen Einrichtungen wie der Caritas, der Jugendhaftanstalt und Gefängnissen statt.
Seit dem Debüt am 4. November 2004 im Teatro Manzoni in Bologna haben neben Claudio Abbado auch Ivor Bolton, Frans Brüggen, Ottavio Dantone, John Eliot Gardiner sowie Trevor Pinnock das Orchester geleitet. Als Pianisten wurden u. a. Alfred Brendel, Alexander Lonquich, Radu Lupu, Yuja Wang verpflichtet, daneben musizierten auch der Trompeter Reinhold Friedrich, die Blockflötstin Michala Petri und Sänger wie Mariella Devia, Rachel Harnisch, Jonas Kaufmann, Sara Mingardo und René Pape mit der Orchestra Mozart.
Am 25. Oktober 2008 führte das Mozart-Orchester zusammen mit der Orchestra Giovanile Cherubini, der Orchestra Giovanile Italiana, dem Chor des Teatro Comunale von Bologna und dem Coro Verdi aus Mailand im PalaDozza in Bologna das Te Deum von Berlioz auf; der große Kinderchor bestand aus mehr als sechshundert kleinen Sängern. Claudio Abbado war dieses Konzert ein großes Anliegen, um im Sinne des Comitato nazionale per l’apprendimento pratico della musica ein deutlich sichtbares Signal hinsichtlich der wichtigen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu geben. Der erste Teil des Abends wurde von Roberto Benigni bestritten, der Prokofjews Peter und der Wolf sprach und spielte (mittlerweile liegt der Mitschnitt auf dvd vor, bei Melampo).
Am 13. Juni 2009 haben Claudio Abbado und die Orchestra Mozart im Auditorium der Scuola della Guardia di Finanza in Coppito (L’Aquila) ein Benefizkonzert zugunsten der von dem Erdbeben heimgesuchten Bevölkerung der Abruzzen gegeben.
Zu den Schallplatteneinspielungen der Orchestra Mozart unter Claudio Abbado zählen Mozarts Violinkonzerte mit Giuliano Carmignola und eine Doppel-cd mit (u. a. in Bozen) live mitgeschnittenen Mozart-Symphonien (Archiv Produktion/Deutsche Grammophon, 2008). Jüngst erschien die erste von drei Pergolesi gewidmeten cds, die zwischen 2007 und 2009 unter der Mitwirkung von Giuliano Carmignola, den Sängerinnen Veronica Cangemi, Rachel Harnisch, Julia Kleiter, Sara Mingardo und dem Chor der Radio Svizzera unter Diego Fasolis entstanden (Deutsche Grammophon). Der dvd der Brandenburgischen Konzerte (Medici Arts, 2008) wurde 2009 der Premio nazionale del disco classico verliehen.

orchestramozart.com




Isabelle Faust

Nachdem Isabelle Faust bereits als Elfjährige im Streichquartett spielte, gewann sie fünfzehnjährig 1987 den Leopold Mozart-Wettbewerb, was ihrer Karriere einen großen Auftrieb verlieh. In Christoph Poppen, dem langjährigen Primarius des Cherubini-Quartetts, fand sie einen Lehrer, der sie ideal förderte; nachdem sie 1993 den Paganini-Wettbewerb gewann, bildete sie sich in Frankreich fort, wo sie sich besonders den französischen Werken von Fauré bis Debussy widmete. Ihre erste Schallplattenaufnahme beinhaltete Sonaten von Janácek, Bartók und Szymanowski, wonach sie sich systematisch das Kammermusikrepertoire erarbeitete; u. a. musizierte sie mit Derek Han, Bruno Giuranna und Alain Meunier, mit denen sie bereits 1996 die drei Klavierquartette von Brahms aufnahm (zur Zeit ist eine Wiederauflage bei Brilliant Classics greifbar).
2003 erschien ihre erste Aufnahme als Solistin mit Orchester: das Violinkonzert von Antonín Dvorák. Nachdem sie dieses Werk schon als Fünfzehnjährige unter Yehudi Menuhin gespielt hatte, war es immer einer der Grundpfeiler ihres Solorepertoires geblieben. Die 2007 veröffentlichte Einspielung des Beethoven-Konzerts dokumentiert hingegen ihre Auseinandersetzung mit der sogenannten historischen Aufführungspraxis.
Im Bereich der Musik des 20. Jahrhunderts spielte Isabelle Faust Erst- bzw. Uraufführungen von Werken von Werner Egk, Olivier Messiaen und Jörg Widmann sowie ihr gewidmeter neuer Stücke von Michael Jarrell und Thomas Larcher. Daneben setzt sie sich besonders für Giacinto Scelsi, György Ligeti, Luigi Nono und Morton Feldman oder für ein nahezu vergessenes Werk wie das Violinkonzert von André Jolivet ein.
Isabelle Faust neuere Einspielungen mit dem Pianisten Alexander Melnikov sind bei harmonia mundi erschienen, darunter Sonaten von Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms.
In den letzten Jahren trat Isabelle Faust u. a. mit Claudio Abbado, Giovanni Antonini, Jirí Belohlávek, Daniel Harding, Heinz Holliger, Marek Janowski, Mariss Jansons, Sakari Oramo, den Orchestern der bbc, dem Boston Symphony Orchestra, dem Mahler Chamber Orchestra, den Münchner Philharmonikern und dem Orchestre de Paris auf. 2009 erfolgt ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern.
Isabelle Faust spielt eine Stradivari aus dem Jahre 1704, die ihr von der Landesbank Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt wird.