Mein Weg zum Herzen der Zuhörer

veröffentlicht am
Montag
2 Februar 2026

Kaziboni
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«Er ist ein Dirigent mit starker Ausstrahlung, voller Nuancen und Ausdruck. Seine Arbeit verbindet ein tiefes Gefühl für musikalische Form und Farbe mit einer lebendigen, klaren Führung, die ein Ensemble trägt und inspiriert.»
So lautet nur eine der zahlreichen Rezensionen über die Arbeit von Vimbayi Kaziboni. In Simbabwe geboren und zwischen Europa und den USA ausgebildet, verfügt Kaziboni mit nur 37 Jahren über einen beeindruckenden Werdegang und internationale Kooperationen mit Orchestern auf der ganzen Welt. Für die Haydn-Orchesterkonzerte dirigiert er Ligetis Rumänisches Konzert (1951), die Uraufführung des Violakonzerts Púrpura von Filippo Del Corno (ein gemeinsamer Auftrag der Stiftung Haydn und der Fondazione I Pomeriggi Musicali di Milano) sowie Beethovens berühmte Fünfte Symphonie.
Vimbayi Kaziboni beantwortete einige Fragen der Journalistin Annely Zeni.
Sie sind in Simbabwe geboren und mit dreizehn Jahren in die USA gezogen. Wie haben diese beiden Kulturen Ihre Sicht auf Musik geprägt?

Aus meinem Herkunftsland habe ich gelernt, die Freude in mir durch Musik auszudrücken und zu erforschen. In meinem zweiten Heimatland habe ich gelernt, Disziplin und Exzellenz zu verfolgen. Jetzt lebe ich in Wien und versuche, all diese Elemente zusammenzuführen.

Wann wussten Sie, dass Sie Dirigent werden wollen? Welche Herausforderungen gab es zu Beginn Ihrer Laufbahn?

Mit etwa sechzehn Jahren wusste ich bereits, dass ich Dirigent werden möchte. Als Jugendlicher fand ich im Orchesterspiel – ich begann als Schlagwerker – Gemeinschaft, Liebe und meine größte Freude. Bald wurde mir klar, dass ich im Zentrum dieses musikalischen Prozesses stehen wollte. Es war eine Berufung.

Sie haben als Schlagzeuger begonnen. Wie prägt dieser Hintergrund Ihre Arbeit heute?

Ich merke, dass ich stärker als viele andere Dirigenten nach rhythmischer Klarheit und farblicher Ausdruckskraft suche.

Zeitgenössische Musik spielt eine große Rolle in Ihrer Karriere. Was zieht Sie daran besonders an?

Sie ist die Musik unserer Gegenwart und unserer Zukunft. Das weckt meine Neugier und nährt meinen Forschergeist.

Zeitgenössische Musik gilt oft als anspruchsvoll. Wie vermitteln Sie sie dem Publikum?

Ich versuche, das Wesentliche eines Werks freizulegen – so wie man auch komplexe Musik von Beethoven hören würde. Ich bemühe mich, die menschliche Seite jedes Stücks sichtbar zu machen und vertraue darauf, dass sie das Herz und den Verstand der Zuhörer erreicht. Gleichzeitig arbeite ich sehr systematisch: Jeder Komponist und jedes Werk haben eine eigene Sprache, und ich muss sie verstehen, bevor ich sie einem Orchester vermitteln kann. Das ist ein langer, anspruchsvoller Prozess, der sich aber immer lohnt – für die Ausführenden wie für das Publikum.

Sie haben zahlreiche Uraufführungen geleitet. Was macht diese Momente so besonders?

Uraufführungen sind unglaublich aufregend. Niemand weiß, was ihn erwartet – und jedes neue Werk, das vorgestellt wird, ist ein Beitrag zur Musikgeschichte.

Welche Eigenschaften braucht ein Dirigent, um komplexe Repertoires überzeugend zu gestalten?

Ein geschultes Gehör, Fantasie, die Fähigkeit zu erklären und zu unterstützen, manchmal auch zu überzeugen – gegenüber den Musikerinnen und Musikern und letztlich gegenüber dem Publikum. Vor allem aber braucht es Geduld und ein offenes Herz.

Sie unterrichten auch. Wie finden Sie die Balance zwischen Lehre und Dirigieren?

Das Unterrichten ist ein zentraler Teil meines Lebens. Ich komme aus einer Lehrerfamilie, und Bildung ist bei uns ein grundlegender Wert. Die Balance zwischen Dirigieren und Lehre zu halten, ist herausfordernd, aber entscheidend: Beides beeinflusst sich gegenseitig. Als ich zu unterrichten begann, merkte ich, wie sehr sich mein Dirigieren entwickelte – und je mehr ich dirigiere, desto mehr Erfahrungen kann ich an meine Studierenden weitergeben.

Welches zentrale Anliegen möchten Sie mit Ihrer Musik vermitteln?

Hoffnung in einer hoffnungslosen Welt, Licht in einer zunehmend dunklen Welt.