Die Restaurierung eines musikalischen Werkes

veröffentlicht am
Dienstag
19 April 2022

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Was verbindet einen österreichischen Komponisten der Romantik mit einem italienischen Vertreter der europäischen Avantgarde? Kurz vor seinem Tod im Jahr 1828 arbeitete Franz Schubert an der Sinfonie in D-Dur. 160 Jahre später hauchte der Komponist Luciano Berio den Skizzen neues Leben ein.

Die Zehnte Sinfonie

Als Franz Schubert im jungen Alter von 31 Jahren verstarb, hatte er bereits eine beträchtliche Anzahl von Liedern, Sinfonien und Werken für Chor und Klavier komponiert. Fünf Sinfonien konnte er nicht mehr fertigstellen, darunter die Zehnte Sinfonie in D-Dur (D 936A). Er hinterließ Entwürfe für drei Sätze, in denen interessante Aspekte zum Ausdruck kommen. Die Komposition zeigt nicht nur seine visionäre Sicht (Teile erinnern an Gustav Mahler), sondern er widersetzte sich dabei auch der traditionellen Form und spielte mit kontrapunktischen Techniken.

In Rendering nahm sich Luciano Berio der sinfonischen Fragmente Schuberts an. Er strebte dabei keine Vollendung der Sinfonie an, sondern führte eine Restaurierung durch.

 

„Diese Restaurierung folgt den Richtlinien einer modernen Freskorestaurierung, die auf eine Auffrischung der alten Farben abzielt, ohne die durch die Jahrhunderte entstandenen Schäden kaschieren zu wollen, wobei sogar leere Flecken im Gesamtbild zurückbleiben können.“

Luciano Berio

Die Restaurierung

Luciano Berio zögerte stets sich der Musik Schuberts anzunehmen, nicht so als man ihm die Entwürfe der zehnten Sinfonie in die Hände drückte. Wie er selbst sagte, seien die komplexen Skizzen von vollendeter Schönheit und hätten ihn geradezu verführt. Vor allem die Expressivität des zweiten Satzes und der dritte, wohl polyphonste Orchestersatz des Wiener Komponisten, hätten ihn beeindruckt.

Die losen Fragmente verband Berio mit einem musikalischen Gewebe, das in der Tonstärke des Pianissimo mehrstimmige Passagen aus den Skizzen und Anklänge aus Schuberts späten Kompositionen vereint. Unter den Skizzen fand sich auch eine Übung im Kontrapunkt, die Berio im Andante des zweiten Satzes verarbeitete. Wie bei einem restauriertem Fresko, ist auch bei Rendering nie ganz klar wo Schubert aufhört und Berio anfängt.

Zum Hören

Die Hommage an Schubert entstand als Auftragskomposition des Concertgebouw Orchestra zwischen 1988 und 1989. Das Haydn Orchester führt das halbstündige Werk unter der Leitung von Maxime Pascal am 3. und 4. Mai in Bozen und Trient auf.

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