Musik kann Leben verändern: Ein Interview mit Glass Marcano

veröffentlicht am
Giovedì
18 dicembre 2025

Glass Marcano
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Sie heißt Glass Marcano. Die junge venezolanische Dirigentin stammt aus dem Umfeld von El Sistema, jenem wegweisenden Bildungsmodell, das José Antonio Abreu ins Leben gerufen hat und aus dem eine außergewöhnliche Generation international erfolgreicher Musiker:innen und Dirigent:innen hervorgegangen ist. Nun kommt sie erstmals nach Südtirol: Mit dem Haydn Orchester debütiert sie am 20. Januar in Bozen und am 21. Januar in Trient. Auf dem Programm steht ein spannungsreicher Dialog zwischen Mozart und Ginastera. Im Vorfeld ihres Debüts haben wir mit Glass Marcano über ihren Werdegang und ihre musikalischen Perspektiven gesprochen.
Sie haben mit Antonio Abreus „El Sistema“ bereits als Kind Ihr Musikstudium begonnen: Wie war diese Erfahrung?

Ich denke mit großer Dankbarkeit an diese Zeit zurück. „El Sistema“ hat mir nicht nur eine musikalische Ausbildung ermöglicht, sondern mir auch schon in jungen Jahren ein Gefühl für Gemeinschaft und Disziplin vermittelt. Da habe ich verstanden, wie Musik Leben verändern und neue Wege eröffnen kann.

Wie haben Sie sich entschieden, Dirigentin zu werden? Hatten Sie Vorbilder?

Das Dirigieren kam für mich ganz natürlich. Seit meiner Jugend war ich neugierig darauf, die gesamte Partitur zu verstehen, nicht nur meinen Part als Geigerin. Meine ersten Vorbilder waren die venezolanischen Dirigenten aus „El Sistema“. Später entdeckte ich internationale Persönlichkeiten, die mich inspiriert und geprägt haben.

 

Sie waren Finalistin beim La Maestra-Wettbewerb in Paris: Wie positioniert man sich heute als Musikerin in der Musikwelt im Vergleich zu früher?

Heute gibt es mehr Raum und Anerkennung, aber es gibt immer noch Herausforderungen. Frauen haben an Sichtbarkeit und Chancen gewonnen, und Wettbewerbe wie La Maestra sind unerlässlich, um Türen zu öffnen. Im Vergleich zu früher habe ich das Gefühl, dass wir heute mehr Möglichkeiten haben, gehört zu werden und uns mit unserer eigenen Vision einzubringen.

Was ist Ihr Lieblingsrepertoire?

Ich fühle mich mit der Romantik besonders verbunden, weil ich das Gefühl habe, dass sich meine Fähigkeiten in diesem Repertoire natürlicher entfalten können. Es ermöglicht mir, meine musikalische Sprache voll zur Geltung zu bringen und mich mit der emotionalen Intensität auszudrücken, die sie auszeichnet.

Für Ihr Debüt mit dem Haydn Orchester stellen Sie Werke von Mozart und Ginestra gegenüber: Haben die beiden Komponisten etwas gemeinsam?

Sie gehören zu sehr unterschiedlichen Stilrichtungen, aber beide zeichnen sich durch Frische und Klarheit in ihrer Komposition aus. Mozart mit seinem klassischen Genie und Ginestra mit seiner eigenen modernen Stimme – doch in beiden finde ich den Geist von Transparenz und musikalischer Vitalität.

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